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Gleichbeinlahmheit
Montag, 20. August 2007

Vorstellung der Arbeit der Tierphysiotherapeutin Sabrina Kehrenberg

 

Das Team der Therapeuten mit Patient1. Patient

Fallbeispiel:

17 jähriger Welsh Cob Wallach, wurde freizeitmäßig geritten, Offenstallhaltung seit mehreren Jahren, viel Weidegang

 

 

2. Problem

Die Besitzerin erklärt, dass das Pferd im Spätsommer 2006 auffällig mit der Hinterhand schlurft, immer wieder taktunrein läuft. Beim Ausreiten weggerutscht mit der Folge einer leichten intermittierenden Lahmheit, Behandlung durch Kühlung und Salbe, 14 Tage Boxenruhe, danach 3 Koliken. Pferd mit der dritten Kolik in eine Pferdeklinik eingeliefert, dort nochmalige Untersuchung der Lahmheit. Erhöhung der Trachten durch Spezialbeschlag

Diagnose durch den Tierarzt: hinten rechts mediale Gleichbeinlahmheit mit Entzündung des Fesselträgers und Faserablösung.

Therapie durch den Tierarzt: Infusion, Boxenruhe mit 2mal tägl. 5 min. Schritt führen, Salbe

 

Prognose durch den Tierarzt: sehr schlecht.

 

 

3. physiotherapeutische Befundung

 

Fast vollständige Entlastung der Gliedmaße hinten rechts, hochgradige Entzündung medial des Fesselkopfes, leichte Schwellung medial, deutliche Rötung medial (sichtbar, da Fesselkopf geschoren), leichter Lymphstau an den Hintergliedmaßen bis zum Genitalbereich.

Pferd insgesamt stark verspannt, sowohl Rückmuskulatur als auch Muskulatur der Hinterhand leicht atrophiert. Depressiver Zustand mit Gewichtsabnahme infolge Koliken.

 

 

4. Therapie

 

Magnetfeldgamaschen an der Hinterhand  - Entzündungshemmend

 

Hydrotherapie - Entzündungshemmend

 

Blutegeltherapie - Entzündungshemmend

 

Lasertherapie - Entzündungshemmend

 

Lymphdrainage - Abtransporte von Lymphflüssigkeit

 

proximal Wärme - zur Lockerung der Muskulatur im Rücken und in der Hinterhand

 

Massage - Ausgleichen der Dysbalancen der Muskulatur

 

Passive und aktive Dehnungsübungen - Muskeldehnung im Rücken- und Hinterhandbereich

 

aktiver Muskelaufbau durch Schritt bergauf laufen

 

 

Die Behandlung dieser Erkrankung ist sehr langwierig und aufwendig und immer wieder von temporären Rückschritten beleitet. Eine Heilung ist nicht zu erwarten. Die Therapie zielt auf eine symptomatischen Milderung der Symptome und Verbesserung der Lebensqualität des Patienten bei Weidegang.

 

Patient gegen TherapieendeDas Therapieziel wurde nach 8 schwierigen Monaten erreicht. In den ersten Monaten der Therapie zeigten sich nur geringe Fortschritte. Die kooperative Haltung des Patienten während der Behandlungen und die psychische Begleitung des Pferdes durch vertraute Personen begünstigten den Therapieverlauf.

 

 

Mehrere Monate war das Pferd nicht in der Lage zu laufen. Zwischendurch erkrankte es zudem an Hautpilz. Die Koliken konnten durch eine gut portionierte Fütterung abgestellt werden.

Bei Therapie-Ende war das Pferd zur Freude aller Beteiligten auf der Weide beim Wälzen und lahmfreien Trab auf der Weide zu beobachten.

Nachtrag: Bis Anfang 2008 hat sich der Zustand so gut stabilisiert, dass das Pferd in leichter Arbeit wieder geritten werden kann. 

Sabrina Kehrenberg ist gelernte Tierarzthelferin und absolvierte ein zweijähriges Studium zur Tierphysiotherapeutin am Freien und Privaten Ausbildungsinstitut für Tiernaturheilkunde (FAT) in Gelsenkirchen.

Seitdem arbeitet sie in eigener mobiler Praxis im Münsterland und Ruhrgebiet.
 
 
 
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