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Nervus radialis-Lähmung bei Hund und Katze
Donnerstag, 3. April 2008

Orthopädietechnik in der Tierphysiotherapie 

Die Tierphysiotherapeutin Katharina von Strachwitz legte nach Beendigung ihrer Ausbildung am FAT erfolgreich die Prüfung vor dem Berufsverband DGT ab und gründete in Österreich das Wiener Rehazentrum für Kleintiere. Durch die Zusammenarbeit mit anderen Spezialisten im Tierbereich ermöglicht sie ihren Patienten einen umfassenden Service, zu dem auch die Orthopädietechnik zählt.  

 

Was ist eine Radialislähmung?

 

artikel_v._starchwitz_3_neuAuffälligstes Merkmal der N. radialis-Lähmung ist die Kußhandstellung (Überköten) der Pfote, da die Extremität im Carpalgelenk nicht mehr selbständig gestreckt werden kann.                           

 

Es handelt sich dabei um eine Nervenschädigung der Streckmuskeln am Vorderbein des Tieres, die zu Lähmungserscheinungen unterschiedlichen Ausmaßes führt.

Genauere Info über Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Radialislähmung#Radialisl.C3.A4hmung

 

Je nach Schweregrad und Lokalisation der Nervenschädigung sind

 

-      entweder nur die Strecker der Vorderzehengelenke betroffen,

( durch den noch bestehenden Zug der Beuger ( Gegenspieler der Strecker ) wird die Pfote gebeugt. Daher der Name Kusshandstellung. )

 

-      oder aber, wenn die Schädigung höher liegt, auch der Triceps.
( Das Ellbogengelenk kann nicht mehr gestreckt werden. Die Pfote rotiert oder verkippt quasi und kann nicht mehr normal vorgeführt werden. )

 

Gleichzeitig kommt es durch die Lähmungen dazu, dass das Tier die vom betroffenen Nerventeil normalerweise versorgten Hautgebiete nicht mehr spüren kann.


Symptome und funktionelle Störung:

 

Durch die geschädigten Nerven kann das Tier den Fuß nicht mehr kontrollieren und hat das Gefühl verloren.

Bei geringeren Lähmungserscheinungen schleift es die Pfote über den Boden, schafft es aber die Pfote durch Schwung korrekt aufzusetzen.

In schwereren Fällen knickt die Pfote um und das Tier „läuft" auf der Fußoberseite. In beiden Fällen scheuert sich das Tier die Haut wund ( roter Pfeil ).

 

Der normale Bewegungsablauf ist stark verändert. Die Tiere verspannen sich, da sie die Fehlfunktion ausgleichen müssen.

Solange der Nerv nur geschädigt und nicht durchtrennt ist, kann sich diese Lähmung häufig in einem Zeitraum von 3 -6 Monaten zurückbilden. Bei älteren Tieren dauert die Regeneration wesentlich länger als bei Jungtieren.

Entscheidend ist die erste Zeit nach der Verletzung. Mit der Physiotherapie sollte deshalb so früh wie möglich begonnen werden, sofern man eine bemerkbare Verbesserung erreichen möchte. Ist diese Zeit verstrichen, sinken die Chancen enorm.

 

Wird klar, dass die Lähmung nicht mehr behoben werden kann, ist es wichtig dem Tier eine Unterstützung zu bieten. Diese soll das „Wundlaufen" verhindern, weiteren Verletzungen wie z.B. durch Hängenbleiben vorbeugen und dennoch eine möglichst hohe Bewegungsfreiheit zulassen.

Hier kommt die Orthopädietechnik zum Einsatz.

 

Frau Mader, Orthopädiemechanikerin aus Wien, hat sich in diesem Gebiet auf Tiere mit diversen Problemen dieser Art spezialisiert.

 

Sie fertigt speziell für Hunde und Katzen mit Radialislähmung Schuhe, deren Entwicklung sie im folgenden an zwei Beispielen schildert:

 

 

Problematik Radialislähmung bei der Katze:

 

 

                        Überlegungen, Problematiken, Ziel:

 

-      korrigierender Wirkung

-      der Schuh soll fest am Bein sitzen und nicht verrutschen

-      Abschnürungen soll vorgebeugt werden

-      leicht

-      wasserdicht

-      robust

-      es dürfen keine Druckstellen entstehen

-      rutschfest auf dem Untergrund beim Gehen

           

Ich entschied mich für einen hohen Stiefel mit Schnürung, denn:

 

artikel_v._strachwitz_5-     um so höher der Stiefel,

-     umso besser der Halt an der Pfote

-     umso größer sind auch Stabilität, Führung und

      Korrektur

-    die Schnürung über den Stiefelschaft 

-   verteilt den Druck gleichmäßig auf das Bein

-    Die Passform ist genauer

-   der Fuß kann nicht  so leicht abgeschnürt werden.

 

Anfertigung, Ergebnis:

 

Zuerst baute ich einen Musterstiefel nach den Maßen des Katzenbeines.

 

Erst nach einer Anprobe fertigte ich das Original aus einem wasserdichten, abriebfesten Kunstleder mit einer rutschfesten Gummisohle.

Auf eine Versteifung wurde verzichtet, da ich der Meinung war der Kompressionsdruck des Stiefels würde ausreichen, um das „Umknicken" zu verhindern.

 

Leider wurde der Schuh von der Besitzerin ohne die Katze mitzubringen abgeholt. Daher war es nicht möglich eine Endkontrolle/Funktionskontrolle am Tier vorzunehmen.

 

Nach einer späteren Rücksprache erfuhr ich aber, dass der Stiefel oft benutzt wurde, jedoch nach längerem Tragen dazu neigte umzuknicken.

 

Seither fertige ich diese Stiefel, wenn die Indikation gegeben ist, nur noch mit einer zusätzlichen Versteifung.

 

 

Problematik Radialislähmung beim Hund

 

 

                                                                       

                           Überlegungen, artikel_v._starchwitz_2Problematiken, Ziel:

-       wasserdicht   

-       leicht

-       robust und abriebfest

-       Schutz des defekten Hautbereiches (Regeneration)

-       der Schuh soll fest am Bein sitzen und nicht verrutschen

-       keine Bewegungseinschränkung

-       keine Korrigierende Einwirkung (Besitzerwunsch)

-       Vermeidung von Druckstellen und Abschnürungen

                          -        rutschfest auf jedem Untergrund beim Gehen    

 

 

 

 

 

Ich entschied mich in diesem Fall für einen „Arbeitsschuh" mit Rückeinstieg, Plastikkappe und hohem Schaft denn:

 

-       umso höher der Schuh, desto sicherer der Halt an der Pfote

-       der Rückeinstieg ermöglicht einen durchgängigen Pfotenschutz

-       die Plastikkappe ist leicht und schützt vor Stoß und Abschürfungen

        (Wundheilung)

-       die Bewegungsfreiheit der Gelenke bleibt bestehen

 

Anfertigung:

 

Zuerst machte ich ein einen Trittschaumabdruck von der Pfote und fertigte hieraus ein Model (Leisten). Hierüber wurde eine Plastikkappe gezogen. Dies kann man sich ähnlich wie bei einen Arbeitsschuh mit Stahlkappe vorstellen nur, dass  anstelle des Metalls ein fester Kunststoff gewählt wurde (geringes Gewicht).

Bei der ersten Anprobe kontrollierte ich den Platz der Pfote im Schuh. Beim Auftreten sollte sie nicht mit den Zehen an der Kappe anstoßen, aber auch nicht zu locker sitzen. Nachdem dies sichergestellt war, wurde die Kappe mit einem abriebfesten Kunstleder überzogen und  von innen mit druckstabilen Schaumstoff gefüttert.

 

Die Hinterseite des Schuhs polsterte ich im „Fesselbereich" mit Neopren dick auf und spannte einen, über einen Klettverschluss verstellbaren Gurt nach vorne zur Zehenkappe. Hierüber lässt sich der Schuh an der Pfote gut justieren.

Des weiteren benötigte der Schuh für einen guten Halt den Schaft. Dieser wurde aus Neopren gefertigt. Den Verschluss wählte ich seitlich um Druckstellen an Sehnen, Bänder und dem Schienbein vorzubeugen.

 

Ergebnis:

 

artikel_v._starchwitz_1Bei der Abholung war der Hund anwesend.

Der Schuh behinderte ihn beim Laufen nicht. Ganz im Gegenteil, er benutzte ihn als ob er nichts anderes gewohnt wäre.

Besonders erwähnenswert ist, das er korrekter auftrat. Offensichtlich bemühte er sich durch den Schuh das Bein höher anzuheben. Ohne die Orthese  zog er das Bein ständig nach, sofern es ihm nicht gelang die Pfote mit viel Schwung richtig aufzusetzen.

Der ganze Bewegungsablauf wirkte von Anfang an viel leichter, zügiger und genauer als ohne Schuh.

 

W i e n e r  R e h a z e n t r u m  f ü r  K l e i n t i e r e

http://www.tierphysiopraktik.at/

 
 
 
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