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Therapie auf dem Wasserlaufband - Patient Linus
Freitag, 16. Mai 2008

Vorstellung der Arbeit der Tierphysiotherapeutin Elke Dumont

 

Elke Dumont beendete 2005 ihre Ausbildung zur Tierphysiotherapeutin am FAT mit der erfolgreichen Abschlussprüfung vor dem Berufsverband DGT. Seitdem ist sie erfolgreich in eigener Praxis tätig. Besonderheiten in ihrem Therapieangebot sind das Wasserlaufband für Hunde und eine Pferdesauna.

artikel_doumont_linus_wasserlaufbandAm 22.08. 2007 erreicht mich der Anruf einer Tierärztin und angehender Tierphysiotherapeutin aus Gütersloh. Sie habe seit Mitte Mai einen Jack-Russel Terrier in Behandlung, der Anfang Mai von einem Auto überfahren worden sei. Eine Femurfraktur rechtsseitig sei mit einem Implantat versorgt worden und gut verheilt. Allerdings käme sie, was das selbstständige Gehen des Hundes anginge, nicht weiter. Ob es möglich sei, ihn an mich zur Aquatherapie zu überweisen. Ich stimme zu.

 

Am 23.08.2007 lerne ich den 2jährigen, fröhlichen Linus und seine Besitzer kennen.

Als Linus bei der ersten Vorstellung auf den Boden gesetzt wird, versucht er in Fischrobbenstellung über den Boden zu robben. Die Plantarflächen beider Hinterfüße weisen Schürfwunden auf.

 

Die Krankengeschichte:

- Unfall mit Unfallflucht Mai 2007

- Notfallversorgung durch die überweisende Tierärztin.

- Überweisung zur Tierklinik in Bielefeld mit Erstellung eines röntgenologischen Befundes des Femur rechtsseitig und der Wirbelsäule (neben Trümmerfraktur des Femur noch Fissur des 12.Brustwirbels).

- OP des Hundes und Osteosynthese.

- der dortige Tierarzt stellt trotz bestehender Inkontinenz eine günstige Prognose. Allerdings vergehen durch den fehlenden Hinweis auf die notwendige Physiotherapie vier Monate bis zur effektiven Fortsetzung der Behandlung.

 

Nach Vorstellung des Patienten erstelle ich einen Behandlungsplan, der neben der Arbeit auf dem Wasserlaufband folgende Therapien umfasst: Isometrische Übungen am liegenden Hund, massieren der Pfotenunterseite im Sinne der Propriozeptionsförderung, Zwischenzehenreflex, Gegendruckübung, Tapping, Kryotherapie mit Eislolly, Hyperämisierung der atrophierten Rücken- und Hinterhandmuskulatur, Tapping und Noppenbürste zur Nervenstimulation, passive Gelenkbewegungen (Radfahrübung), Stehübung mit Handtuchhilfe, Animierung sich selbst aufzurichten. Der Behandlungsfortschritt wird unter anderem durch Messen der Stehzeit dokumentiert.

 

WasserlaufbandBereits in der ersten Therapiestunde steht Linus selbstständig im Wasser und später macht er die ersten wackligen Schritte seit seinem Unfall.

 

Von nun an kommt Linus drei mal in der Woche und läuft bereits beim zweiten Besuch 15 Minuten!

Ich rate zur Vitamin B Komplex Gaben und eiweißreicher Kost.

 

Therapieverlauf im September 2007

Linus stellt sich draußen selbständig hin.

Ich beginne mit der Tanzbärstellung im Aquatrainer.

Einige Schritte auf der Hinterhand sind möglich.

Stehzeit auf drei Beinen über 2 Minuten!

Koordination und Inkontinenz stellen weiterhin ein Problem dar.

 

artikel_dumont_linus_im_wasserZur Behebung eines Motivationsverlustes lasse ich Linus schwimmen. Er macht gute, kräftige Schwimmbewegungen. Danach ist er wie verwandelt und läuft mit zügig alleine (zwischenzeitliches Umkippen).

Die Tierarzt in Bielefeld ist sehr zufrieden über den Therapieerfolg.

 

Therapieverlauf im Oktober 2007

Linus läuft nun fast 50 Minuten im Aquatrainer.

Guter Muskelaufbau

Erstmals urinieren im Stehen.

 

Therapieverlauf im November und Dezember 2007

Linus kommt mir 5-6 Schritte entgegen.

Weiterhin Inkontinenz

Linus läuft erstmalig mit erhobener und wedelnder Rute. Weiterhin Umkippen.

 

Therapieverlauf im Januar und Februar 2008

Linus Laufvermögen und Gangsicherheit am Boden nimmt zu.

Wassertiefe auf dem Aquatrainer kann zunehmend reduziert werden.

Laufzeit eine Stunde am Stück. Nur leichtes Stützen mit der Hand nötig.

Das Lauftempo des Bandes wird erhöht.

Weiterhin Inkontinenz.

 

Therapieverlauf im März 2008

Die Inkontinenz ist ein großes Problem und belastete die Halterin stark.

Rücksprache mit Tierklinik in Bielefeld: eine Laminektomie sei zwar auch nach so langer Zeit möglich, die Prognose aber ungünstig. Empfehlung, die Physiotherapie fortzusetzen.

Ich rate der Halterin, Linus nur noch mit Gehhilfe laufen zu lassen, damit er am Boden nicht mehr umkippt. Ziel dieser Maßnahme ist, das physiologische Gangbild zu schulen und ihm Selbstvertrauen in die eigenen Gehfähigkeiten zu geben. Er soll nicht verknüpfen, nur im Aquatrainer physiologisch laufen zu können.

 

Therapieverlauf im April 2008

Aquatraining wird in ein kombiniertes Schwimm-Lauftraining umgewandelt. Linus schwimmt sehr gut und hat dabei im Gegensatz zum Laufen keine Ausfallerscheinungen.

 

Der 15.4.2008 ist ein denkwürdiger Tag! Linus läuft ganz alleine 15 Meter und ohne Umkippen draußen vor der Praxis.

 

Epilog

Nach Erreichen dieses Therapieerfolges erlitt Linus einen Discusprolaps mit Paraplegie. Daraufhin wurde der Patient auf Wunsch der Patientenhalter eingeschläfert.

 

Der Therapieverlauf zeigt, dass auch in schweren Fällen unter Einsatz der Physiotherapie noch deutliche Besserungen zu erwarten sind. Die Tierphysiotherapie stellt somit eine wichtige Ergänzung der Therapie des Tierarztes dar.

 

Elke Dumont www.tierphysio-dumont.de

 
 
 
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