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Vorstellung der Arbeit der Tierphysiotherapeutin Katharina Hagemann
Frau Katharina Hagemann ist staatlich geprüfte Human-Physiotherapeutin und beendete die FAT-Ausbildung zur Tierphysiotherapeutin 2007 mit der erfolgreichen Abschlussprüfung vor dem Berufsverband DGT.
Patient: Tommy, Jack Russel Terrier, m., 8 Jahre
Fall: Manifestation eines pathologischen Bewegungsmusters bei einem kleinen und bewegungsgeschickten Hund im Sinne einer getragenen Gliedmaße nach kompletter Kreuzbandruptur. Die tierärztliche Versorgung bestand in Arthrotomie, Resektion der Bandreste und Kapselraffung.
Der Patient hat mehrere Probleme, die miteinander zusammenhängen:
- gestörte Gelenkfunktion, gekennzeichnet durch mangelhafte muskuläre Stabilisation, Bewegungseinschränkung durch Adhäsionen
- Gestörter Bewegungsreflex
- Weiterlaufende Fehlstatik mit sekundärer Muskelkettenreaktion
- Verlust der Körperwahrnehmung
- Vorbestehende Fehlstatik der linken Vordergliedmaße, die durch die Mehrbelastung verstärkt wird.
Deutlich ist die Atrophie der Oberschenkelmuskulatur. Da zusätzlich ein Mangel an propriozeptivem Input durch Nichtgebrauch und eine Überlastung/Verkürzung der Beugerkette vorliegt, muss man von einer mangelhaften muskulären Stabilisation ausgehen, obwohl das Gelenk selbst durch Kapselraffung und Ruhigstellung hypomobil ist.
Es gibt keinen Hinweis auf eine massive Schmerzsymptomatik, dennoch ist Schmerz unter Druckbelastung nicht auszuschließen.
Eines der Hauptprobleme des Patienten ist die Manifestation eines unphysiologischen Bewegungsmusters im Sinne einer entlasteten, getragenen Gliedmaße.
Die Ursache liegt in den bereits lange bestehenden Beschwerden, da ca. 4 Wochen zwischen erster Lahmheit und Operation vergingen - genügend Zeit für die Entwicklung einer Entzündungsreaktion mit Schmerzsymptomatik und Aneignung eines Bewegungsmusters mit getragener Gliedmaße.
Viele an diesem Balanceakt beteiligten Muskeln zeigen Überlastungszeichen in Form von Hypertonie, Myogelosen und teilweise auch Aufquellen der darüber liegenden Bindegewebes.
Der Patient ist überaus bewegungsfreudig. Er verhält sich aggressiv gegenüber Hund und Mensch, hat bereits mehrfach gebissen, ist oft überdreht, lässt sich nicht gerne anfassen und zieht an der Leine. Der krankheitsbedingt verordnete Leinenzwang führt zu vermehrter Unruhe.
Therapieziele und Behandlungsplanung:
- Wiederherstellung der Gelenkfunktion
- Wiedererlangung des physiologischen Bewegungsablaufes
Diesen funktionellen Zielen zugeordnet sind:
- Tonusregulation
- Ausgleich der Fehlstatik
- Verbesserung der Beweglichkeit/ Lösen der Adhäsionen
- Verbesserung der Körperwahrnehmung und Propriozeption
- Verbesserung der muskulären Stabilisation/ Kraf
Physiotherapeutische Maßnahmen:
- Wärmeapplikation (Heiße Rolle, Kompresse) für Nacken und gesamten Rücken sowie die kontralaterale Gliedmaße
- Befundorientierte Ganzmassage, Bindegewebstechniken, Faszientechniken.
- Narbenbehandlung
- Passive Gelenkbewegung im schmerzfreien Raum
- Approximation
- Körperband
- Isometrische Übungen
- Propriozeptives Training
- Theraband
- Aktive Bewegungsübungen/ Parcours
Therapiedokumentation
1. Sitzung (Probesitzung)
Nach schwierigem Erstkontakt toleriert Tommy die Heiße Rolle sehr gut und entspannt sich bei der Massage zunehmend. Passive Bewegung von Hüfte und Knie. Bei ersten isometrischen Übungen wird die Gliedmaße spontan aufgesetzt und etwas belastet.
2. Sitzung
Zusätzlich Narbenbehandlung, einschleichende Approximation. Erste Anlage des Körperbandes.
Tommy setzt sich zuerst bei der Isometrie, macht aber später ohne Probleme mit. Er steht nach der Therapie gleichmäßig auf allen vier Pfoten.
3. Sitzung
Der Patient ist erstaunlich kooperativ. Die Tonuslage der Beugerkette ist normalisiert. Die Beweglichkeit des Kniegelenkes und Verschieblichkeit der Narbe ist verbessert. Patient geht kurze Strecken im Schritt unter Einbeziehung aller vier Gliedmaßen. Gewöhnung an die labilen Unterlagen des propriozeptiven Trainings. Die seitliche Gewichtsverlagerung führt zu schöner Gewichtsübernahme auf der betroffenen Seite.
4. Sitzung
Hund geht vermehrt und zügiger auf vier Pfoten. Die Narbe ist weich, die passive Bewegung frei. Therapie wie oben. Zusätzlich Gangschule mit Theraband, was der Patient jedoch nicht toleriert. Geführtes über Matratze gehen, bergan laufen, Stangen überschreiten.
5. Sitzung
Tommy geht im normalen Muster, trägt die Gliedmaße nur bei Unwegsamkeiten und hebt sie beim Schütteln an. Therapie wie oben. Zusätzlich propriozeptives Training auf Schaukelbrett und Trampolin. Tanzbärstellung. Wegfall der Isometrischen Übungen, stattdessen Verstärkung des auxotonen Trainings.
6. Behandlung
Tommy läuft gut, zeigt aber Verspannungen der linken Hintergliedmaße.
Zusätzlich intensiv lockernde Massage. Muskulatur ist zum Sitzungsende weich.
Stand bei Therapieende:
In den weiteren 6 Sitzungen konnte die Belastung weiter gesteigert werden. Es zeichnete sich ein linear guter Verlauf ab.
Das Gangbild ist wieder federnd und taktrein. Tommy geht in allen Gangarten physiologische Muster, normale Statik und Tonuslage. Keine Berührungsempfindlichkeit und normales Bewegungsausmaß. An der erkrankten Gliedmaße ist ein Muskelaufbau zu verzeichnen.
Psychisch zeigt sich der Patient ruhiger und gehorsamer.
Verhaltensregeln zur Vermeidung von Belastungsspitzen, pflegende und kräftigende Maßnahmen werden mit der Patientenhalterin besprochen. Ebenso der psychologische Stellenwert von Beschäftigung und Bewegung. Eine Hundetrainerin wird empfohlen.
Katharina Hagemann, 72202 Nahgold-Hochdorf
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