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Rehabilitationsmaßnahmen nach TPLO infolge Kreuzbandriss (Fall 1) sowie bei schwerer HD (Fall 2)
Dienstag, 21. April 2009

Vorstellung der Arbeit der Tierphysiotherapeutin Ulrike Grasedieck

 

Fall 1:

TPLO infolge Riss des vorderen Kreuzbandes

Die postoperative Versorgung von Patienten stellt eines der Hausarbeitsfelder des Tierphysiotherapeuten dar. Die Tibia Plateau Leveling Osteotomie ist eine Operationen, bei welcher der Tierarzt häufig zu einer Nachsorge rät.

 

TPLO-Patient auf dem WasserlaufbandBei einer TPLO wird durch Versetzen eines proximocranialen Teils der Tibia die Biomechanik des Kniegelenks verändert. Der Kniegelenkswinkel wird größer und das vordere Kreuzband wird für die Stabilität nicht mehr benötigt.

 

Aus diesem Grund ist bei der Reha nach einer TPLO ein besonders vorsichtiges Vorgehen wichtig. Der abgesägte Teil der Tibia wird mittels Schrauben und einer Platte fixiert, eine Belastungssteigerung kann erst dann stattfinden, wenn die „künstliche Fraktur“ wieder vollständig zusammengewachsen ist.

Vorerkrankungen: vor 5 Jahren Chip in Zehe an rechter Pfote entfernt, dabei wurde rechts auch eine verkalkte Bizepssehne diagnostiziert

Aus diesem Grund bekommt Bosko regelmäßig Massagen seit April 2007.

 

Im September hat sich Bosko am linken Knie verletzt. Da eine 3-wöchige Gabe von Schmerzmittel nicht zu einer deutlichen Besserung führte, wurde er mit Verdacht auf Kreuzbandriss in die Tierklinik nach Norderstedt zur genauen Diagnostik überwiesen.

 

Deutlich sichtbarer rasierter OP-BereichDort wurde ein Kreuzbandanriss festgestellt, der aber so weit fortgeschritten war, dass zu einer Operation geraten wurde. Der Meniskus war glücklicherweise nicht beschädigt. Am 3. November 2008 wurde bei Bosko eine TPLO (Tibia Plateau Leveling Osteotomie) durchgeführt.

 

Der Besitzerin wurden Regeln zur anfänglichen Bewegung für Bosko erläutert. Das hieß, in den ersten Tagen nur zum „Geschäft erledigen“ nach draußen, dann 5-Minuten-Spaziergänge, absoluter Leinenzwang und vor allem kein Springen.

 

Nach 8 Tagen wurde der Verband vollständig entfernt.

Anschließend begann die physiotherapeutische Behandlung.

 

Die Besitzerin wurde auch von mir noch einmal darauf hingewiesen, dass für Bosko mindestens 6 Wochen Leinenzwang besteht und nur kurze Spaziergänge erlaubt sind.

 

Zunächst war die Haut unter dem Verband etwas wund gescheuert. Dies wurde 2 mal mit dem Laserkamm behandelt, danach war die Haut abgeheilt.

Die Vorgehensweise entspricht anfänglich der bei einer Fraktur. Um die Bosko auf der MagnetfelddeckeKallusbildung anzuregen, bekam Bosko 2 Wochen lang täglich eine Magnetfeldtherapie. Zusätzlich wurde 2 mal wöchentlich die Rückenmuskulatur massiert, die sich diese durch die Fehlstatik infolge der Entlastung des operierten Beines immer wieder verspannt hat. Die Röntgenkontrollaufnahme 4 Wochen nach der OP zeigte eine deutliche Kallusbildung.

 

Leider wehrt sich Bosko auch in der physiotherapeutischen Behandlung gegen Übungen, die ihm nicht gefallen. Mittlerweile greift er zwar nur noch vorsichtig meine Hand mit dem Fang und zieht sie von der gerade zu behandelnden Stelle fort, aber dadurch sind nicht alle Behandlungen durchführbar.. So waren die passiven Bewegungsübungen des operierten Beines nicht möglich. Es wurden aber regelmäßig Massagen durchgeführt, besonders des Rückens, vorsichtig auch am operierten Bein. Außerdem wurde mittels spezieller Narbenmassage dafür gesorgt, dass die Narbenbildung optimal verlauft.

 

Nach der ersten Kontrollröntgenaufnahme wurde zur Gangbildschulung 4 Wochen lang 2 x wöchentlich für 5 Minuten das Unterwasserlaufband eingesetzt (anfangs 2 x 2 Minuten, dann 2 x 2,5 Minuten, dann 2 x 3 Minuten, dann 5 Minuten). Auch jetzt ist es noch wichtig, dass Bosko nicht überlastet wird, da am Tibiafragment alle Teile des M. quadriceps femoris ansetzen, die zur Schubentwicklung des Beines beitragen. Ein zu starker Zug an der Patellarsehne könnte die Fixierung lösen.

 

Ab 3. Januar fing Bosko von alleine an, zum Spielen aufzufordern und schien ganz der Alte zu sein. Es war, als ob er selbst anzeigt, dass nun alles verheilt war. Am 6. Januar wurde eine zweite Kontrollröntgenaufnahme angefertigt, die zeigte, dass die Tibia vollständig verheilt war. Ab diesem Zeitpunkt wurden die Einheiten im Unterwasserlaufband um 2 bis 3 Minuten in der Woche gesteigert (das Training fand zwei mal in der Woche statt).

Propiozeptives Training ist mit Bosko nur bedingt möglich. Auf dem Wackelbrett ist er wenig kooperativ und entzieht sich, sobald man versucht, ihn zum Ausbalancieren zu animieren.

 

Der Besitzerin wurden Übungen gezeigt, die sie ab nun zu Hause täglich selbst durchführen kann.

Dazu gehörten Einheiten zum Muskelaufbau: ab und zu das gesunde Hinterbein anheben, in Tanzbärstellung rückwärts führen, Futter und Wasser erhöht stellen, damit mehr Gewicht auf den Hinterbeinen liegt und Sitz-Steh-Übungen.

Bereits Anfang März hatte Bosko sein normales Gangbild nahezu erreicht. Da die Muskulatur an den Hinterbeinen jedoch noch nicht gleichmäßig entwickelt war, wurde das Training auf dem Unterwasserlaufband fortgesetzt.

 

Einen leichten Rückfall gab es Mitte März. Bosko holte im Unterwasserlaufband plötzlich mit der linken Vordergliedmaße sehr weit aus und wollte sie nicht richtig belasten. Das Training wurde abgebrochen. Beim Abtasten der Schultergliedmaße wurde eine Kruste cranial des Schulterblatts gefunden. Da Bosko diese sehr einzuschränken schien, wurde er an die Tierärztin überwiesen. Diese diagnostizierte eine (wahrscheinlich) selbst abgekratzte Zecke. Bis diese Stelle ganz ausgeheilt war, vergingen 10 Tage. Vorher ist Bosko bereits 25 Minuten im Unterwasserlaufband gelaufen.

 

Am 30. März haben wir die Rehabilitation bei 20 Minuten fortgesetzt und diese am 16. April erfolgreich beendet.

 

Fall 2

Schwere Hüftgelenkdysplasie und Zehengelenkarthrose

 

Die 13 Jahre alte Schäferhündin Cindy wurde im Februar 2008 zum ersten Mal in meiner Tierphysiotherapiepraxis vorgestellt.

Der tierärztliche Befund lautete: beidseitig schwere HD, schwere Arthrosen in allen vorderen Zehengelenken, vollständiger Verlust des Zehengewölbes (Plattfüße).

 

Die tierphysiotherapeutische Befundung zeigte eine ausgeprägte Lahmheit und Schwierigkeiten beim Aufstehen, eine starke Atrophie der Hintergliedmaßenmuskulatur, eine starke Schwellung der Vorderpfoten sowie wundgeleckte Zehenzwischenräume. Ein Anfassen der Zehen geschweige denn Manipulieren der Zehengelenke war nicht möglich.

 

artikel__laser_cindy_grasedieck_abb_2Die schmerzhaften Zehengelenke wurden zunächst dreimal wöchentlich entzündungshemmend und schmerzlindernd mit dem Laser behandelt . Die erste Sitzung dauerte 30 Sekunden je Pfote. Bei jeder weiteren Behandlung wurden die Einheiten um 30 Sekunden gesteigert, bis eine 5-minütige Bestrahlungsdauer erreicht war. Nach 10 Behandlungen zeigten sich die Zehengelenke weitgehend schmerzfrei und die Pfoten deutlich weniger geschwollen. Cindy leckte nicht mehr daran und ließ sich an den Zehen anfassen und eine passive Bewegung der Gelenke war möglich.

(Drei Monate nach Absetzen der Laserbehandlung nahm Cindy das Pfotenlecken wieder auf. Seitdem erhält sie eine dreiminütige Laserbehandlung wöchentlich, womit der schmerzfreie Zustand stabil gehalten werden kann.)

 

artikel__laser_cindy_grasedieck_abb_4Neben der Lasertherapie bestanden die ersten drei Behandlungen aus Massagen und Magnetfeldtherapie. Nach der ersten Sitzung besserte sich das Gangbild erheblich, jedoch gab es diesbezüglich nach der zweiten Therapiestunde einen deutlichen Rückschritt., da die schwache Muskulatur nun derart detonisiert war, dass sie den Hüftgelenken keinen Halt mehr bieten konnte. So wurde zum Muskelaufbau mit der Arbeit auf dem Wasserlaufband begonnen, was trotz Cindys hohen Alters keine Probleme bereitete.

 

artikel__laser_cindy_grasedieck_abb_3Nach 10 Wochen zweimal wöchentlichen Trainings lief Cindy lahmheitsfrei 30 Minuten auf dem waagrerecht gestellten Laufband. Zur Steigerung der Muskelbelastung wurde das Laufband nun schräg gestellt und bei 16 Minuten Training die Muskulatur so weit aufgebaut, dass Cindy bald 30 Minuten auf der Schrägen laufen konnte.

 

Bereits 6 Wochen nach Beginn des Trainings berichtete die Besitzerin stolz, dass Cindy im gestreckten Galopp eine Katze gejagt habe.

 

Heute kommt Cindy einmal wöchentlich zum Pfotenlasern und Laufen auf dem Wasserlaufband in meine Praxis. Es geht ihr dem Alter entsprechend gut, sie ist schmerzfrei, kann ohne größere Probleme aufstehen, rennen und zeigt Bewegungsfreude, so dass ihre Lebensqualität deutlich verbessert werden konnte.

  

Ulrike Grasedieck 

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