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Vorstellung der Arbeit der Tierphysiotherapeutin Ulrike Grasedieck
Fall 1:
TPLO infolge Riss des vorderen Kreuzbandes
Die postoperative Versorgung von Patienten stellt eines der Hausarbeitsfelder des Tierphysiotherapeuten dar. Die Tibia Plateau
Leveling Osteotomie ist eine Operationen, bei welcher der Tierarzt häufig zu einer Nachsorge rät.
Bei einer TPLO wird durch
Versetzen eines proximocranialen Teils der Tibia die Biomechanik des
Kniegelenks verändert. Der Kniegelenkswinkel wird größer und das vordere
Kreuzband wird für die Stabilität nicht mehr benötigt.
Aus diesem Grund ist bei der
Reha nach einer TPLO ein besonders vorsichtiges Vorgehen wichtig. Der abgesägte
Teil der Tibia wird mittels Schrauben und einer Platte fixiert, eine
Belastungssteigerung kann erst dann stattfinden, wenn die „künstliche Fraktur“
wieder vollständig zusammengewachsen ist.
Vorerkrankungen: vor 5
Jahren Chip in Zehe an rechter Pfote entfernt, dabei wurde rechts auch eine
verkalkte Bizepssehne diagnostiziert
Aus diesem Grund bekommt
Bosko regelmäßig Massagen seit April 2007.
Im September hat sich Bosko
am linken Knie verletzt. Da eine 3-wöchige Gabe von Schmerzmittel nicht zu
einer deutlichen Besserung führte, wurde er mit Verdacht auf Kreuzbandriss in
die Tierklinik nach Norderstedt zur genauen Diagnostik überwiesen.
Dort wurde ein
Kreuzbandanriss festgestellt, der aber so weit fortgeschritten war, dass zu
einer Operation geraten wurde. Der Meniskus war glücklicherweise nicht
beschädigt. Am 3. November 2008 wurde bei Bosko eine TPLO (Tibia Plateau
Leveling Osteotomie) durchgeführt.
Der Besitzerin wurden Regeln
zur anfänglichen Bewegung für Bosko erläutert. Das hieß, in den ersten Tagen
nur zum „Geschäft erledigen“ nach draußen, dann 5-Minuten-Spaziergänge,
absoluter Leinenzwang und vor allem kein Springen.
Nach 8 Tagen wurde der Verband vollständig entfernt.
Anschließend begann die
physiotherapeutische Behandlung.
Die Besitzerin wurde auch
von mir noch einmal darauf hingewiesen, dass für Bosko mindestens 6 Wochen
Leinenzwang besteht und nur kurze Spaziergänge erlaubt sind.
Zunächst war die Haut unter
dem Verband etwas wund gescheuert. Dies wurde 2 mal mit dem Laserkamm
behandelt, danach war die Haut abgeheilt.
Die Vorgehensweise
entspricht anfänglich der bei einer Fraktur. Um die Kallusbildung anzuregen,
bekam Bosko 2 Wochen lang täglich eine Magnetfeldtherapie. Zusätzlich wurde 2
mal wöchentlich die Rückenmuskulatur massiert, die sich diese durch die
Fehlstatik infolge der Entlastung des operierten Beines immer wieder verspannt
hat. Die Röntgenkontrollaufnahme 4 Wochen nach der OP zeigte eine deutliche Kallusbildung.
Leider wehrt sich Bosko auch
in der physiotherapeutischen Behandlung gegen Übungen, die ihm nicht gefallen.
Mittlerweile greift er zwar nur noch vorsichtig meine Hand mit dem Fang und
zieht sie von der gerade zu behandelnden Stelle fort, aber dadurch sind nicht
alle Behandlungen durchführbar.. So waren die passiven Bewegungsübungen des
operierten Beines nicht möglich. Es wurden aber regelmäßig Massagen
durchgeführt, besonders des Rückens, vorsichtig auch am operierten Bein.
Außerdem wurde mittels spezieller Narbenmassage dafür gesorgt, dass die
Narbenbildung optimal verlauft.
Nach der ersten
Kontrollröntgenaufnahme wurde zur Gangbildschulung 4 Wochen lang 2 x
wöchentlich für 5 Minuten das Unterwasserlaufband eingesetzt (anfangs 2 x 2
Minuten, dann 2 x 2,5 Minuten, dann 2 x 3 Minuten, dann 5 Minuten). Auch jetzt
ist es noch wichtig, dass Bosko nicht überlastet wird, da am Tibiafragment alle
Teile des M. quadriceps femoris ansetzen, die zur Schubentwicklung des Beines
beitragen. Ein zu starker Zug an der Patellarsehne könnte die Fixierung lösen.
Ab 3. Januar fing Bosko von
alleine an, zum Spielen aufzufordern und schien ganz der Alte zu sein. Es war,
als ob er selbst anzeigt, dass nun alles verheilt war. Am 6. Januar wurde eine
zweite Kontrollröntgenaufnahme angefertigt, die zeigte, dass die Tibia
vollständig verheilt war. Ab diesem Zeitpunkt wurden die Einheiten im
Unterwasserlaufband um 2 bis 3 Minuten in der Woche gesteigert (das Training
fand zwei mal in der Woche statt).
Propiozeptives Training ist
mit Bosko nur bedingt möglich. Auf dem Wackelbrett ist er wenig kooperativ und
entzieht sich, sobald man versucht, ihn zum Ausbalancieren zu animieren.
Der Besitzerin wurden
Übungen gezeigt, die sie ab nun zu Hause täglich selbst durchführen kann.
Dazu gehörten Einheiten zum
Muskelaufbau: ab und zu das gesunde Hinterbein anheben, in Tanzbärstellung
rückwärts führen, Futter und Wasser erhöht stellen, damit mehr Gewicht auf den
Hinterbeinen liegt und Sitz-Steh-Übungen.
Bereits Anfang März hatte
Bosko sein normales Gangbild nahezu erreicht. Da die Muskulatur an den
Hinterbeinen jedoch noch nicht gleichmäßig entwickelt war, wurde das Training
auf dem Unterwasserlaufband fortgesetzt.
Einen leichten Rückfall gab
es Mitte März. Bosko holte im Unterwasserlaufband plötzlich mit der linken
Vordergliedmaße sehr weit aus und wollte sie nicht richtig belasten. Das
Training wurde abgebrochen. Beim Abtasten der Schultergliedmaße wurde eine
Kruste cranial des Schulterblatts gefunden. Da Bosko diese sehr einzuschränken
schien, wurde er an die Tierärztin überwiesen. Diese diagnostizierte eine
(wahrscheinlich) selbst abgekratzte Zecke. Bis diese Stelle ganz ausgeheilt
war, vergingen 10 Tage. Vorher ist Bosko bereits 25 Minuten im
Unterwasserlaufband gelaufen.
Am 30. März haben wir die
Rehabilitation bei 20 Minuten fortgesetzt und diese am 16. April erfolgreich
beendet.
Fall 2
Schwere Hüftgelenkdysplasie und Zehengelenkarthrose
Die 13 Jahre alte
Schäferhündin Cindy wurde im Februar 2008 zum ersten Mal in meiner
Tierphysiotherapiepraxis vorgestellt.
Der tierärztliche Befund
lautete: beidseitig schwere HD, schwere Arthrosen in allen vorderen
Zehengelenken, vollständiger Verlust des Zehengewölbes (Plattfüße).
Die tierphysiotherapeutische
Befundung zeigte eine ausgeprägte Lahmheit und Schwierigkeiten beim Aufstehen,
eine starke Atrophie der Hintergliedmaßenmuskulatur, eine starke Schwellung der
Vorderpfoten sowie wundgeleckte Zehenzwischenräume. Ein Anfassen der Zehen
geschweige denn Manipulieren der Zehengelenke war nicht möglich.
Die schmerzhaften
Zehengelenke wurden zunächst dreimal wöchentlich entzündungshemmend und
schmerzlindernd mit dem Laser behandelt . Die erste Sitzung dauerte 30 Sekunden
je Pfote. Bei jeder weiteren Behandlung wurden die Einheiten um 30 Sekunden
gesteigert, bis eine 5-minütige Bestrahlungsdauer erreicht war. Nach 10
Behandlungen zeigten sich die Zehengelenke weitgehend schmerzfrei und die
Pfoten deutlich weniger geschwollen. Cindy leckte nicht mehr daran und ließ
sich an den Zehen anfassen und eine passive Bewegung der Gelenke war möglich.
(Drei Monate nach Absetzen
der Laserbehandlung nahm Cindy das Pfotenlecken wieder auf. Seitdem erhält sie
eine dreiminütige Laserbehandlung wöchentlich, womit der schmerzfreie Zustand
stabil gehalten werden kann.)
Neben der Lasertherapie
bestanden die ersten drei Behandlungen aus Massagen und Magnetfeldtherapie.
Nach der ersten Sitzung besserte sich das Gangbild erheblich, jedoch gab es
diesbezüglich nach der zweiten Therapiestunde einen deutlichen Rückschritt., da
die schwache Muskulatur nun derart detonisiert war, dass sie den Hüftgelenken keinen
Halt mehr bieten konnte. So wurde zum Muskelaufbau mit der Arbeit auf dem
Wasserlaufband begonnen, was trotz Cindys hohen Alters keine Probleme
bereitete.
Nach 10 Wochen zweimal
wöchentlichen Trainings lief Cindy lahmheitsfrei 30 Minuten auf dem waagrerecht
gestellten Laufband. Zur Steigerung der Muskelbelastung wurde das Laufband nun
schräg gestellt und bei 16 Minuten Training die Muskulatur so weit aufgebaut, dass Cindy bald 30
Minuten auf der Schrägen laufen konnte.
Bereits 6 Wochen nach Beginn
des Trainings berichtete die Besitzerin stolz, dass Cindy im gestreckten Galopp
eine Katze gejagt habe.
Heute kommt Cindy einmal wöchentlich zum Pfotenlasern und Laufen auf dem Wasserlaufband in meine Praxis. Es geht ihr dem Alter entsprechend gut, sie ist schmerzfrei, kann ohne größere Probleme aufstehen, rennen und zeigt Bewegungsfreude, so dass ihre Lebensqualität deutlich verbessert werden konnte.
Ulrike Grasedieck
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