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Polyradikuloneuritis bei einem Jagdhund
Freitag, 5. März 2010

Vorstellung der Arbeit der Tierphysiotherapeutin Clara Cott

Frau Cott wurde am FAT zur Tierphysiotherapeutin ausgebildet und bestand im Februar 2009 erfolgreich ihre Abschlussprüfung vor dem Berufsverband DGTe.V.

 

 

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Die akute Polyradikuloneuritis ist eine entzündliche Veränderung des peripheren Nervensystems, insbesondere der Nervenwurzeln. Äthiologie und Pathogenese sind unklar. Vermutlich handelt es sich um eine autoimmune Reaktion. Früher nahm man fälschlicherweise an, die Erkrankung würde über den Speichel von Waschbären übertragen (daher der Name Coonhound disease). Die Krankheit betrifft überwiegend adulte Tiere großer Rassen.

Die Erkrankung beginnt mit fortschreitender Schwäche der Hintergliedmaßen, die innerhalb von 3 - 10 Tagen in eine schlaffe Lähmung aller Gliedmaßen (Tetraplegie) übergeht, so dass die Patienten weder geh- noch stehfähig sind. Es kommt zur ausgeprägten Muskelatrophie.

 

Die wichtigste Behandlung bei der Polyradikuloneuritis ist die Physiotherapie. Erfahrungsgemäß kann die Rehabilitationsphase bis zu drei Monate dauern. Die meisten Hunde erholen sich jedoch nach zwei bis drei Wochen deutlich. Rezidive sind möglich.

 

Die Behandlung des Tierarztes beinhaltet Plasmaphorese und intravenöse Immunglobulintherapie.

 

Den Tieren ist bei Futter- und Wasseraufnahme Hilfestellung zu geben. Zur Vermeidung von Dekubitus sind sie auf eine weiche und stützende Unterlage zu betten.

 

Bei intensiver Behandlung und Pflege des Patienten und ausbleibender Atemlähmung hat die Erkrankung eine günstige Prognose.

 

Fall aus der Praxis:

 

Bei dem Patienten handelt es sich um die 8-jährige Deutsch Drahthaar - Hündin ‚Daika'. Die ersten Symptome zeigten sich auf dem Weg zum Auto vor einem geplanten Spaziergang. Zunächst fiel eine Steifheit der Hintergliedmaßen auf, beim Einsteigen in den Wagen trat bereits eine Lähmung aller vier Gliedmaßen auf. Innerhalb von 20 Minuten nach Auftreten der ersten Krankheitszeichen war ‚Daika' nur noch in der Lage, Kopf und Rute zu bewegen.

Die sofortige Vorstellung beim Tierarzt erbrachte zunächst keinen klaren Befund. Erst anhand eines EMG konnte die Diagnose Polyradikuloneuritis gestellt werden.

 

Neben der medikamentösen Behandlung durch den Tierarzt wurde intensive Physiotherapie verordnet, die anfänglich zweimal täglich durchgeführt wurde. Mehrmaliges Umlagern auf weicher Unterlage war ein wichtiger Bestandteil der Pflege.

 

Die Therapiemaßnahmen umfassten muskelpflegende und tonusregulierende Massage der gelähmten Muskulatur sowie ableitende Griffe, Sehnentechniken, passive Bewegungsübungen, Gelenkmobilisation, Tapping, Dehnungsübungen an den kontraktilen Muskeln, propriozeptives Training am liegenden und aufgestellten Hund sowie isometrische Übungen, später auch sich steigernde aktive Bewegungsübungen und taktiles sensomotorisches Training.

 

1. - 10. Therapieeinheit

 

Die psychische Belastung des neuntägigen Klinikaufenthaltes (unumgänglich wegen des drohenden Atemstillstands) ließ ‚Daika' müde und apathisch erscheinen. Sie zeigte für die Behandlungstechniken kaum Interesse. Lediglich das Aufstellen zur Propriozeptionsschulung wirkte motivierend auf den Patienten, da dies im Freien stattfand. Massage und Dehnungsübungen schienen der Hündin angenehm zu sein.

In den ersten Tagen war kaum eine Veränderung des Zustandes festzustellen. Zudem gab es Probleme mit der Infusion, die an der Vene vorbei in angrenzendes Gewebe lief und das linke Vorderbein so stark anschwellen ließ, dass dort so gut wie keine Behandlung stattfinden konnte.

 

10. - 20. Therapieeinheit

 

.artikel_polyradikuloneuritis_cott_foto_2Die zu Therapiebeginn bestehende Anorexie besserte sich ebenso wie die Teilnahmslosigkeit zunehmend, sobald ‚Daika' wieder in ihrer gewohnten Umgebung war, wo sie den ganzen Tag von der Familie umsorgt wurde. Ab dem 10. Therapietag war es ihr möglich, einige Zentimeter zu krabbeln. Der Muskeltonus verbesserte sich zunehmend, die Hintergliedmaßenmuskulatur und der Fersensehnenstrang waren jedoch trotz regelmäßiger Übungen verkürzt, so dass hierauf der Therapieschwerpunkt gelegt wurde. Auch der Muskelaufbau mittels Isometrischer Übungen wurde intensiviert.

 

20. - 50. Therapieeinheit

 

Mit jedem Tag war ein Kraftzuwachs der Muskulatur zu verzeichnen und ‚Daika' konnte Schritt für Schritt vom Sitzen zum ersten Stehen und schließlich zum Laufen angeleitet werden. Steifheit und unkoordinierter Gang besserten sich mit jeder Behandlung.

Leider bekam die Hündin eine Blasenentzündung, welche sie zunächst zurückzuwerfen drohte. Glücklicherweise sprach sie aber schnell auf die sogleich eingeleitete tierärztliche Behandlung an.

 

50. - 60. Therapieeinheit

 

Obgleich ‚Daikas' Gang noch etwas steif war, konnte sie bereits einige Minuten stehen und laufen. Unter weiterer Physiotherapie war ihr Gangbild bald soweit wieder hergestellt, dass sie sich allein in allen Gangarten frei bewegen und auch wieder ihr normales Leben aufnehmen konnte. Zur Verbesserung der Körperwahrnehmung wurden die Spaziergänge stets auf wechselnden Untergründen vorgenommen. Die Isometrischen Übungen wurden nun zwecks weiterer Intensivierung auf einer Treppe durchgeführt, was die Hündin problemlos meisterte. Durch den Muskelaufbau erlangte ‚Daika' ihre ursprüngliche Figur zurück. Die Physiotherapie konnte immer weiter eingeschränkt werden, bis sie schließlich nicht mehr notwendig war.

 

Clara Cott Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können

 
 
 
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