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Vorstellung der Arbeit der
Tierphysiotherapeutin Clara Cott
Frau Cott wurde am FAT zur
Tierphysiotherapeutin ausgebildet und bestand im Februar 2009 erfolgreich ihre
Abschlussprüfung vor dem Berufsverband DGTe.V.
Die akute
Polyradikuloneuritis ist eine entzündliche Veränderung des peripheren
Nervensystems, insbesondere der Nervenwurzeln. Äthiologie und Pathogenese sind
unklar. Vermutlich handelt es sich um eine autoimmune Reaktion. Früher nahm man
fälschlicherweise an, die Erkrankung würde über den Speichel von Waschbären
übertragen (daher der Name Coonhound disease). Die Krankheit betrifft
überwiegend adulte Tiere großer Rassen.
Die Erkrankung beginnt mit
fortschreitender Schwäche der Hintergliedmaßen, die innerhalb von 3 - 10 Tagen
in eine schlaffe Lähmung aller Gliedmaßen (Tetraplegie) übergeht, so dass die
Patienten weder geh- noch stehfähig sind. Es kommt zur ausgeprägten
Muskelatrophie.
Die wichtigste Behandlung
bei der Polyradikuloneuritis ist die Physiotherapie. Erfahrungsgemäß kann die
Rehabilitationsphase bis zu drei Monate dauern. Die meisten Hunde erholen sich
jedoch nach zwei bis drei Wochen deutlich. Rezidive sind möglich.
Die Behandlung des
Tierarztes beinhaltet Plasmaphorese und intravenöse Immunglobulintherapie.
Den Tieren ist bei Futter-
und Wasseraufnahme Hilfestellung zu geben. Zur Vermeidung von Dekubitus sind
sie auf eine weiche und stützende Unterlage zu betten.
Bei intensiver Behandlung
und Pflege des Patienten und ausbleibender Atemlähmung hat die Erkrankung eine
günstige Prognose.
Fall aus der Praxis:
Bei dem Patienten handelt es
sich um die 8-jährige Deutsch Drahthaar - Hündin ‚Daika'. Die ersten Symptome
zeigten sich auf dem Weg zum Auto vor einem geplanten Spaziergang. Zunächst
fiel eine Steifheit der Hintergliedmaßen auf, beim Einsteigen in den Wagen trat
bereits eine Lähmung aller vier Gliedmaßen auf. Innerhalb von 20 Minuten nach
Auftreten der ersten Krankheitszeichen war ‚Daika' nur noch in der Lage, Kopf
und Rute zu bewegen.
Die sofortige Vorstellung
beim Tierarzt erbrachte zunächst keinen klaren Befund. Erst anhand eines EMG
konnte die Diagnose Polyradikuloneuritis gestellt werden.
Neben der medikamentösen
Behandlung durch den Tierarzt wurde intensive Physiotherapie verordnet, die
anfänglich zweimal täglich durchgeführt wurde. Mehrmaliges Umlagern auf weicher
Unterlage war ein wichtiger Bestandteil der Pflege.
Die Therapiemaßnahmen
umfassten muskelpflegende und tonusregulierende Massage der gelähmten
Muskulatur sowie ableitende Griffe, Sehnentechniken, passive Bewegungsübungen,
Gelenkmobilisation, Tapping, Dehnungsübungen an den kontraktilen Muskeln,
propriozeptives Training am liegenden und aufgestellten Hund sowie isometrische
Übungen, später auch sich steigernde aktive Bewegungsübungen und taktiles
sensomotorisches Training.
1. - 10. Therapieeinheit
Die psychische Belastung des
neuntägigen Klinikaufenthaltes (unumgänglich wegen des drohenden
Atemstillstands) ließ ‚Daika' müde und apathisch erscheinen. Sie zeigte für die
Behandlungstechniken kaum Interesse. Lediglich das Aufstellen zur
Propriozeptionsschulung wirkte motivierend auf den Patienten, da dies im Freien
stattfand. Massage und Dehnungsübungen schienen der Hündin angenehm zu sein.
In den ersten Tagen war kaum
eine Veränderung des Zustandes festzustellen. Zudem gab es Probleme mit der
Infusion, die an der Vene vorbei in angrenzendes Gewebe lief und das linke
Vorderbein so stark anschwellen ließ, dass dort so gut wie keine Behandlung
stattfinden konnte.
10. - 20. Therapieeinheit
Die zu Therapiebeginn
bestehende Anorexie besserte sich ebenso wie die Teilnahmslosigkeit zunehmend,
sobald ‚Daika' wieder in ihrer gewohnten Umgebung war, wo sie den ganzen Tag
von der Familie umsorgt wurde. Ab dem 10. Therapietag war es ihr möglich,
einige Zentimeter zu krabbeln. Der Muskeltonus verbesserte sich zunehmend, die
Hintergliedmaßenmuskulatur und der Fersensehnenstrang waren jedoch trotz
regelmäßiger Übungen verkürzt, so dass hierauf der Therapieschwerpunkt gelegt
wurde. Auch der Muskelaufbau mittels Isometrischer Übungen wurde intensiviert.
20. - 50. Therapieeinheit
Mit jedem Tag war ein
Kraftzuwachs der Muskulatur zu verzeichnen und ‚Daika' konnte Schritt für
Schritt vom Sitzen zum ersten Stehen und schließlich zum Laufen angeleitet
werden. Steifheit und unkoordinierter Gang besserten sich mit jeder Behandlung.
Leider bekam die Hündin eine
Blasenentzündung, welche sie zunächst zurückzuwerfen drohte. Glücklicherweise
sprach sie aber schnell auf die sogleich eingeleitete tierärztliche Behandlung
an.
50. - 60. Therapieeinheit
Obgleich ‚Daikas' Gang noch
etwas steif war, konnte sie bereits einige Minuten stehen und laufen. Unter
weiterer Physiotherapie war ihr Gangbild bald soweit wieder hergestellt, dass
sie sich allein in allen Gangarten frei bewegen und auch wieder ihr normales
Leben aufnehmen konnte. Zur Verbesserung der Körperwahrnehmung wurden die
Spaziergänge stets auf wechselnden Untergründen vorgenommen. Die Isometrischen
Übungen wurden nun zwecks weiterer Intensivierung auf einer Treppe
durchgeführt, was die Hündin problemlos meisterte. Durch den Muskelaufbau
erlangte ‚Daika' ihre ursprüngliche Figur zurück. Die Physiotherapie konnte
immer weiter eingeschränkt werden, bis sie schließlich nicht mehr notwendig
war.
Clara Cott
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